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Ratgeber

Bestattungsarten in Deutschland — der vollständige Überblick

Bestattungsarten im Überblick
Lesezeit: 11 Minuten · Thema: Bestattungswesen · Rechtliche Grundlagen: Bestattungsgesetze der Bundesländer

Welche Bestattungsart ist möglich, welche passt zum Willen des Verstorbenen, welche zur Familie? Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die in Deutschland zulässigen Bestattungsarten — Erdbestattung, Feuerbestattung, Seebestattung, Baumbestattung und anonyme Bestattung — mit ihren Vor- und Nachteilen, Kosten-Bandbreiten und dem Hintergrund zum Friedhofszwang.

Der Friedhofszwang in Deutschland

Anders als in vielen anderen Ländern gilt in Deutschland der Friedhofszwang. Verstorbene dürfen — von wenigen Ausnahmen abgesehen — nur auf öffentlichen Friedhöfen oder ausgewiesenen Begräbnisstätten beigesetzt werden. Geregelt ist das in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer. Die Vorschriften unterscheiden sich von Land zu Land in Details.

Konsequenzen des Friedhofszwangs:

Sonderfall Bremen: In Bremen ist seit einigen Jahren unter bestimmten Voraussetzungen die Aufbewahrung der Asche im privaten Bereich oder das Verstreuen auf privatem Grund erlaubt. In allen anderen Bundesländern bleibt der Friedhofszwang weitgehend bestehen. Andere Länder wie die Schweiz oder die Niederlande haben deutlich liberalere Regelungen.

Erdbestattung

Die Erdbestattung ist die traditionelle Bestattungsform in Deutschland. Der Verstorbene wird in einem Sarg auf dem Friedhof beigesetzt. Die Liegezeit (Ruhefrist) beträgt je nach Bundesland und Friedhof üblicherweise 20 bis 30 Jahre und kann anschließend verlängert werden.

Vorteile

Nachteile

Feuerbestattung (Kremation)

Bei der Feuerbestattung wird der Verstorbene in einem Krematorium eingeäschert. Die Asche wird in einer Urne aufbewahrt und anschließend beigesetzt — auf dem Friedhof, im Bestattungswald, im Meer oder in einem anonymen Grabfeld. Die Feuerbestattung ist mittlerweile die am häufigsten gewählte Bestattungsart in Deutschland.

Vorteile

Nachteile

Hinweis zur zweiten Leichenschau: Vor der Einäscherung schreibt das Gesetz in den meisten Bundesländern eine zweite Leichenschau durch einen Amtsarzt oder unabhängigen Arzt vor. Sie verzögert den Vorgang in der Regel um wenige Tage und wird vom Bestatter koordiniert.

Seebestattung

Bei der Seebestattung wird die Asche des Verstorbenen in einer wasserlöslichen Urne im Meer beigesetzt — in der Regel in der Nord- oder Ostsee, an besonders ausgewiesenen Seebestattungsgebieten. Eine Reederei oder ein spezialisiertes Bestattungsunternehmen führt die Beisetzung durch.

Vorteile

Nachteile

Baum- und Naturbestattung

Bei der Baumbestattung (auch Friedwald, Ruheforst, Naturbestattung) wird die Urne im Wurzelbereich eines Baumes in einem ausgewiesenen Bestattungswald beigesetzt. Es gibt Einzelbäume, Familienbäume und Gemeinschaftsbäume. Die Beisetzung erfolgt in einer biologisch abbaubaren Urne.

Vorteile

Nachteile

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Anonyme Bestattung

Bei der anonymen Bestattung wird die Urne (selten der Sarg) auf einem Gemeinschaftsgrabfeld beigesetzt, ohne dass der genaue Ort gekennzeichnet ist. Es gibt keinen individuellen Grabstein und kein konkretes Grab, das besucht werden kann. Häufig wird eine zentrale Gedenkstätte für alle anonym Bestatteten errichtet.

Vorteile

Nachteile

Eine Variante ist die halbanonyme oder teilanonyme Bestattung in Gemeinschaftsgrabfeldern mit Namensnennung auf einer zentralen Gedenktafel.

Weitere Bestattungsformen

Almwiesenbestattung und Bergbestattung

In einzelnen ausgewiesenen Gebieten (z. B. in der Schweiz oder in Österreich) ist eine Aschebeisetzung im Hochgebirge möglich. In Deutschland selbst ist diese Form aufgrund des Friedhofszwangs nicht zulässig. Wer eine solche Form wünscht, muss in ein Land mit liberaleren Vorschriften ausweichen.

Diamantbestattung

Aus einem Teil der Asche wird in einem speziellen Verfahren ein synthetischer Diamant gepresst. Die übrige Asche wird regulär beigesetzt. Diese Form ist in Deutschland nur bedingt zulässig und wird von einzelnen Anbietern im Ausland angeboten.

Luftbestattung und Flussbestattung

Diese Formen sind in Deutschland aufgrund des Friedhofszwangs in der Regel nicht zulässig. In einzelnen Nachbarländern werden sie angeboten und können dort auf Wunsch durchgeführt werden — die nötigen Genehmigungen sind dann durch den Anbieter einzuholen.

Vergleichstabelle der Bestattungsarten

BestattungsartKonkreter TrauerortGrabpflegeKosten-Bandbreite
Erdbestattungjahochhöher
Feuerbestattung mit Urnengrabjamittelmittel
Seebestattungneinkeinemittel
Baumbestattungbegrenztkeinemittel
Anonyme Bestattungneinkeineniedriger

Konkrete Beträge unterscheiden sich erheblich nach Region, Friedhof, gewähltem Sarg/Urne und Umfang der Trauerfeier. Erkundigen Sie sich direkt beim Bestatter und der Friedhofsverwaltung Ihrer Wahl.

Wie die richtige Bestattungsart finden?

Die wichtigste Frage: Hat der Verstorbene Wünsche geäußert? Eine schriftliche Bestattungsverfügung, ein Testament oder ein gemeinsames Gespräch zu Lebzeiten geben Orientierung. Liegen keine Hinweise vor, entscheidet die Familie. Achten Sie dabei auch auf:

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Häufige Fragen zu Bestattungsarten

Welche Bestattungsart ist die häufigste in Deutschland?

Die Feuerbestattung mit anschließender Urnenbeisetzung ist mittlerweile die am häufigsten gewählte Bestattungsart in Deutschland. Die Erdbestattung bleibt vor allem im katholischen und jüdischen Kontext sowie in ländlichen Regionen verbreitet.

Kann ich die Asche eines Angehörigen mit nach Hause nehmen?

In den meisten Bundesländern nein. Der Friedhofszwang verlangt die Beisetzung der Asche in einer ausgewiesenen Bestattungsstätte. Eine Ausnahme ist Bremen, wo unter bestimmten Voraussetzungen die Aufbewahrung der Asche im privaten Bereich erlaubt ist. Liberalere Regelungen gibt es in einigen Nachbarländern.

Kann der Verstorbene seine Bestattungsart selbst bestimmen?

Ja. Wünsche zur Bestattungsart sollten in einer Bestattungsverfügung schriftlich festgehalten werden. Sie ist kein Testament, sondern ein eigenes Dokument. Die Hinterbliebenen sind in der Regel an den letzten Willen des Verstorbenen gebunden, soweit dieser durchführbar ist.

Welche Bestattungsart ist die günstigste?

In der Regel ist die anonyme Feuerbestattung am günstigsten, da sie keine individuellen Friedhofsgebühren und keine Grabpflege verursacht. Konkrete Kostenvergleiche sollten direkt mit dem Bestatter und der Friedhofsverwaltung gemacht werden, da die Tarife regional stark variieren.

Was passiert nach Ablauf der Liegezeit?

Nach Ablauf der Liegezeit (Ruhefrist) kann das Grab grundsätzlich neu belegt werden. Familien können die Liegezeit gegen Zahlung weiterer Gebühren verlängern. Bei Wahlgräbern ist eine Verlängerung üblich, bei Reihengräbern in der Regel nicht.

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